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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

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Der Prophet Jesaja.

Kapitel 57.

Die gegenwärtige, durch gewissenlose Führer verschuldete Lage des Volks, seine Verstocktheit und Abgötterei. (Fortsetzung)

1 Der Gerechte kommt um, ohne daß es jemand zu Herzen nähme,
und die Frommen werden dahingerafft, ohne daß jemand darauf achtet,
daß infolge der herrschenden Schlechtigkeit der Gerechte dahingerafft wurde.
2 In Frieden geht er ein in sein Grab: sie ruhen auf ihren Lagerstätten,
die ihres Wegs geradeaus gewandelt sind.
3 Ihr aber, tretet hierher, ihr Söhne der Zauberin!
Ihr Brut eines Ehebrechers und einer Hure -   4 über wen macht ihr euch doch lustig?
Gegen wen reißt ihr das Maul auf, streckt ihr die Zunge heraus?
Seid ihr nicht die abtrünnigen Kinder, eine Lügenbrut?
5 die in Brunst geraten an den Terebinthen, unter jedem grünen Baume,
die ihre Kinder schlachten in den Bachthälern, unter den Klüften der Felsen.
6 An glatten Steinen im Bachthal hast du deinen Anteil, - sie, sie sind dein Los!
Auch ihnen hast du Trankopfer ausgegossen, Speisopfer dargebracht.
Soll ich mich darüber zufrieden geben?
7 Auf hohem und ragendem Berge hast du dein Lager hingestellt:
auch dort hinauf bist du gestiegen, um Opfer zu schlachten.
8 Und hinter der Thür und dem Pfosten brachtest du dein Merkzeichen an,
denn abtrünnig von mir hast du dein Lager aufgedeckt und bestiegen,
hast es weit gemacht,
und du bedangst dir von ihnen deinen Lohn aus, du liebtest ihr Beilager,
schautest aus nach jeder winkenden Hand.
9 Und du zogst hin zum Könige mit Öl und verwandtest viele Salben,
und du sandtest deine Boten bis weithin und bis tief hinab in die Unterwelt.
10 Durch deine vielen Gänge wurdest du müde, sprachst aber nicht: Ich geb' es auf!
Du bemerktest noch Leben in deiner Hand; darum fühltest du dich nicht zu schwach.
11 Vor wem scheutest und fürchtetest du dich denn, daß du treulos werden mußtest
und meiner nicht mehr gedachtest, nichts mehr von mir wissen wolltest?
Nichtwahr, weil ich schweige, und zwar seit längster Zeit, - darum fürchtest du mich nicht mehr!
12 Ich will meine Gerechtigkeit kund werden lassen; deine Machwerke aber, - die werden dir nicht nützen.
13 Wann du schreist,
mögen dich deine Götzen erretten:
doch sie alle trägt ein Wind davon, nimmt ein Hauch hinweg.

Jahwes Erlösungsthat an seinem Volke.

Wer aber zu mir seine Zuflucht nimmt, wird das Land erobern und meinen heiligen Berg in Besitz nehmen!
14 Und so sagt er denn:
Macht Bahn, macht Bahn! Richtet her den Weg!
Räumt meinem Volke jeglichen Anstoß aus dem Wege!
15 Denn so spricht der Hohe und Erhabene,
der ewig Thronende, dessen Name Heiliger ist:
In der Höhe und als Heiliger wohne ich,
und die, die zerknirscht und demütiges Geistes sind -
neu beleben will ich den Geist Demütiger
und neu beleben das Herz Zerknirschter!
16 Denn nicht auf immer will ich hadern,
noch will ich ewig zürnen;
denn ihr Geist würde vor mir dahinschmachten,
und die Seelen, die ich selbst geschaffen habe.
17 Um seiner Verschuldung willen zürnte ich eine kleine Weile
und strafte ihn, indem ich zürnend mich verhüllte:
da ging er abtrünnig dahin auf selbstgewähltem Wege.
18 Ich sah seine Wege und ich will ihn heilen,
will ihn leiten und Tröstung zukommen lassen ihm, das ist seinen Trauernden.
19 Er, der Frucht der Lippen schafft: Heil, Heil den Fernen und den Nahen,
spricht Jahwe, und ich will ihn heilen!
20 Aber die Gottlosen sind wie das aufgewühlte Meer, denn es vermag nicht zur Ruhe zu kommen, und so wühlen seine Wasser immer wieder Schlamm und Kot herauf.   21 Keinen Frieden, spricht mein Gott, giebt es für die Gottlosen!